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Schmerz. Heilung. Familie. Iris Ludolf. Freidensberaterin.

Schmerz und Heilung in der Familie.

Wie geht es Dir? Bist Du, ist Dein Leben auch im Umbruch? Wenn es Dir ähnlich geht, wie mir, dann zeigt sich ein Thema derzeit mit einer glasklaren Deutlichkeit. Es ist nicht dasselbe Thema bei jedem. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es bei jeder*m in dieselbe Richtung geht:

der tiefste Schmerz.

Es ist faszinierend. 2015 erhielt ich bei einem Gruppentreffen von Menschen, die sich auf den Weg zu sich selber gemacht hatten, eine Rose, an die ein Spruch geheftet war. Jeder erhielt einen anderen Spruch. Meiner war:

Damals wusste ich, dass ich mich bis dato vor ihm verschlossen hatte. Ich sah damals in einer Meditation, wie er in mir wütete und rauswollte.

In den Jahren danach kam schon vieles an Schmerz hoch. Einiges war so traumatisch, dass ich es verdrängt hatte. Das Verdrängen hatte ich als Regulationstechnik meiner Wahl übernommen: Dinge, die ich nicht verarbeiten wollte, bzw. zu dem Zeitpunkt nicht konnte, drängte ich in einen Raum ab, der von mir abgespalten war. Gut gesichert war er außerdem.

So zeigten sich nach und nach die verschiedensten Themen, die alle Ursprung in meiner Familie und in meiner Kindheit hatten.

Ein Thema, das meine Kindheit bestimmte, war Armut. Meine Armut.

Ich weiß nicht, von wem meine Mutter Geld erhielt, wenn sie nicht arbeitete. Ich weiß nur, dass wir meist keines hatten. Sie schickte mich dann ins Dorf runter zum Tante-Emma-Laden. Ich ging noch zur Grundschule. Es muss also ungefähr 1975 oder 1976 gewesen sein. Ich konnte schon lesen. Meine Mutter hatte einen Zettel geschrieben und ihn mir mitgegeben. Es war die Bitte, anschreiben zu lassen. Den Zettel sollte ich der Kassiererin geben. Die Kassiererin nahm den Zettel und ging damit nach hinten zum Chef. Nach einer mir manchmal schier endlos vorkommenden Zeit kam er dann nach vorne zu mir und sagte, es ginge in Ordnung. Das erste, was ich in den Einkaufswagen legte war meist meine Belohnung. Ich durfte mir immer was aussuchen. Meist war es Schokolade. Oder Dany plus Sahne.

Eine andere Erinnerung muss so um dieselbe Zeit gewesen sein. Vielleicht auch vorher. Es war Sonntag. Ich saß mit meiner Mutter zu Hause und hatte Hunger. Wir hatten nichts zu essen zu Hause. Die Lösung war, dass ich zu meiner Freundin spielen ging. „Rein zufällig“ zur Essenzeit.

In Erinnerung bleibt mir ein Gefühl des Mitleids. Mitleid des Besitzers des Tante-Emma-Ladens. Mitleid der Mutter meiner Freundin.

Es gab auch andere Zeiten. Zeiten, in denen wir mehr Geld hatten. Das waren Zeiten, in denen ich den ganzen Tag alleine war, während meine Mutter arbeiten ging.

Lass uns 30 Jahre vorspulen. Mittlerweile bin ich selber Mutter. Mutter von vier Mädchen. Ich hatte mich mit meinem damaligen Ehemann selbstständig gemacht. Wir arbeiteten fast Tag und Nacht. Wir hatten ein großes Haus mit Pool, das Büro war im Souterrain.

Ab und zu hielt ich inne und dachte:

„Wir müssen etwas ändern. Das geht so nicht weiter. Die Kinder sind fast ganz auf sich selbst gestellt. Sie brauchen mehr.“

Ich wusste aber nicht, wie ich es anstellen sollte. Also machte ich weiter wie bisher.

Mittlerweile sehe ich die Zusammenhänge. Ich wollte sicherstellen, dass ich nicht den ganzen Tag außer Haus war und dass sie zu essen hatten.

Das ist mir auch gut gelungen.

Einiges blieb dabei auf der Strecke: Gefühl, Kommunikation, „Familie“.

Das kannte ich alles selbst nicht. Ich hatte gesunde Kommunikation nicht gelernt. Gefühle hatte ich in meiner frühestens Kindheit aus Selbstschutz schon abgespalten. Und die Familie bestand den Großteil meines Lebens aus meiner Mutter und mir. Meine beiden Brüder sind schon früh ausgezogen.

In den letzten Wochen habe ich gemerkt, dass der Schmerz, der die tiefste Heilung noch bringen kann, der Schmerz der Mutter-Kind-Beziehung ist.

Die Beziehung zu meiner Mutter, die 1999 verstarb. Und die Beziehung zu meinen Töchtern.

Ich habe so einiges versaut, als sie noch Kinder waren. Ich hatte mehr von mir erwartet. Sie hatten mehr von mir erwartet. Und tun es immer noch.

Ich habe auch noch einiges zu lernen. Heute weiß ich, dass ich willens bin. Und ich lebe noch. Das sind gute Voraussetzungen. 🙂

Ich habe keine Ahnung, wie lange es dauern wird, bis wir zu der Familie zusammenwachsen, die ich mir und uns wünsche. Was ich weiß ist, dass da sehr viel Liebe zwischen uns ist. Und sehr viel Schmerz.

Eine der heilendsten Erkenntnisse, die ich erfahren durfte, ist, in meinem Leid als Kind gesehen zu werden. Das Geschenk machte mir mein Osteopath. Er ist sehr parteiisch. Er nimmt Partei ein für seinen Patienten. Für das innere Kind des Patienten. Ihm ist es egal, was für Gründe Erwachsene hatten, sich einem Kind gegenüber falsch zu verhalten. Ihm ist es egal, ob sie es nicht gelernt hatten, selber Traumata erlebt hatten oder was auch immer. Er sieht das Kind und das, was das Kind gebraucht hatte. Dieses bedingungslose Gesehen-werden und Anerkennen hat viele Heilungsprozesse in mir in Gang gesetzt.

Das möchte ich auch für meine Töchter tun.

Die Gründe, warum, weshalb, weswegen ich nicht die Mutter war, die sie sich gewünscht hatten, die ich mir für sie gewünscht hatte, sind für die ersten Schritte irrelevant. Es fehlte ihnen Aufmerksamkeit, Kommunikation, Gefühle, Anerkennung.

Die Kindheit kann ich nicht nachholen. Was wir tun können ist, eine neue gemeinsame Basis finden. Jede in ihrem Tempo. Jede zu ihrer Zeit. Wir können Familie für uns neu definieren, neue Rituale kreieren, neue Erinnerungen erschaffen. Für uns und für die nächste Generation.

Ich wünsche uns, dass wir nach und nach mit der Vergangenheit in Frieden kommen, uns neu kennenlernen, anerkennen und so-sein-lassen, unsere gemeinsamen Jahre genießen und eine schöne, stärkende Zukunft für uns alle erschaffen können. Und ich weiß, dass unsere Ahninnen stärkend hinter uns stehen, denn zur Familie gehören nicht nur die Lebenden, sondern auch die, die vor uns waren.

In diesem Sinne:

iris Ludolf | Friedensberaterin | energetisch-systemische Lebenshilfe

Tochter der Ursula, Enkelin der Emma, Enkelin der Kate, Urenkelin der Pauline

Gefühl. Liebe. Schmerz. Anerkennung. Mut. Iris Ludolf. Friedensberaterin.

Sage Ja zu Deinen Gefühlen. Sei es Dir wert.

In uns stecken so viele Schrecken.
Bewusst und auch
unbewusst.

So viele Ängste,
die durch schreckliche
Erlebnisse entstanden sind.
Jedes dieser Erlebnisse,
das einen Platz
in unserem System einnahm,
sorgte dafür, dass wir
dafür einen Teil von uns
zurückließen.

In diesem Leben
oder in früheren.

Gerade Kriege –
zwischen zwei Ländern
oder zwischen zwei Menschen –
sorgen für diese Art
Kollateralschaden.
Meist sind es Gefühle,
die wir abspalten,
um den Schmerz
nicht mehr spüren zu müssen.

Das Ding ist:
Wir können nicht nur
den Schmerz abspalten,
nur die Gefühle
im Gesamtpaket.
Dazu gehört auch die Liebe.

Und so suchen wir uns dann
unbewusst Partner aus,
die selber nicht lieben können.
In uns aber bleibt die
tiefe Sehnsucht nach Liebe
und geliebt werden.

Erst, wenn wir den Mut haben,
wieder Ja zu allen Gefühlen
zu sagen und anzuerkennen,
dass Schmerz auch
Teil des Deals ist,
ihm seinen Raum geben
und ihn sein lassen,
geben wir damit auch
der Liebe ihren Raum.

Liebe ist nicht gleich Schmerz.

Beides sind nur
zwei der Facetten
unserer Gefühlswelt.
Andere Facetten sind u. a.
Freude, Mut, innerer Frieden.

Mögest Du wieder Ja sagen zu all Deinen Gefühlen und ihnen den Raum und die Anerkennung geben, die sie brauchen, das wünsche ich Dir. 🕊

Februar 2019: Vergebung

Vergebung

Finde die Liebe in Dir.
Du kannst kein glückliches Leben führen,
solange Du in der Wut,
der Angst,
den Anschuldigungen verhaftet bist.
Finde die Liebe zu Dir selbst.
Das Erste, was Du benötigst,
ist der Wunsch nach Frieden in Dir.
Je stärker dieser Wunsch wird,
je mehr Du Dich darauf konzentrierst,
desto mehr Wege werden sich für die Heilung
des Schmerzes in Dir auftun.
Je mehr Gedanken Du jedoch dem Schmerz widmest,
desto tiefer wird er.
Fokussiere Dich auf Heilung, auf das, was gut ist.
Tue es für Dich.
Nimm Dir den Schmerz.

Mögest Du erkennen, dass Vergebung der ultimative Akt der Befreiung ist, das wünsche ich Dir.

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Wort des Tages: Schlüssel

2016-06-13_Schlüssel

Schlüssel.

Was hast Du so tief in Dir verschlossen,

dass Du da nicht einfach so drankommst?

Dieser Schmerz, den Du nicht fühlen willst,

weil er einfach zu tief sitzt,

er möchte befreit werden.

Denn er weiß, dass Du dadurch,

dass Du Dich vor ihm verschließt,

Dich vor allen tiefen Gefühlen verschließt.

Auch vor tiefem Glück und tiefer Liebe.

Dein Schmerz liebt Dich, deswegen wird er

alles in seiner Macht stehende tun, dass

Du Dich ihm zuwendest.

Nicht, weil er Dich quälen möchte,

sondern weil der Schmerz der Schlüssel

zu Deinem Glück ist.

Wirst Du seine ausgestreckte Hand nehmen,

und die Tür öffnen?

Erst, wenn Du diesen Schmerz befreist,

erst dann kannst Du den Weg

zu Dir selber beschreiten.

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Von Wahrheit, Kommunikation und Weiblichkeit

Wahrheit. Ein Thema, das mich früher nicht beschäftigt hat. Nein, das bedeutet nicht, dass ich den ganzen Tag bewusst lügend durch die Welt gezogen bin. Wahrheit hat so viele Facetten und Tiefen. Sie wurde für mich seit letztem Jahr immer wichtiger.

Ich hielt mich immer für einen wahrheitsliebenden Menschen. Lügen mochte ich nicht. Lügen zerstört Vertrauen.

Und doch belog ich mich jeden Tag selber.

An jedem Tag, an dem ich nicht meine Wahrheit aussprach, habe ich mich und meine Mitmenschen belogen und mit jeder nicht ausgesprochenen Wahrheit den Preis des Vertrauensverlustes gezahlt.

Jede nicht ausgesprochene Wahrheit sorgte dafür, dass ich mehr und mehr Vertrauen in mich selber verlor. In meine Weiblichkeit, mein Können, meine Werte.

Es war ein langsamer Prozess, der völlig unbemerkt im Hintergrund ablief.

Iris_klein

Jede nicht ausgesprochene Wahrheit wurde automatisch abgelegt. Solange, bis der Raum zu eng und der Schmerz zu groß wurde. Es hat lange gedauert. 45 Jahre. Seitdem ich mich entschloss, mir diesen Schmerz näher anzusehen, konnte ich schon sehr viel befreien. Und seitdem bin ich auch immer ehrlicher mit mir und meinen Mitmenschen. Das bedeutet nicht, dass ich mich gar nicht mehr belüge. Aber es kommt bedeutend seltener vor und ich merke es schneller, wenn ich es tue. Außerdem habe ich ganz tolle Menschen um mich herum, die mich liebevoll anstupsen und mir Bescheid sagen, wenn ich es mal nicht merke.

Wie äußert sich das im täglichen Leben?

Immer öfter treffe ich Entscheidungen basierend darauf, was sich für mich gut anfühlt und nicht auf dem, was andere von mir erwarten – oder ich denke, dass sie es von mir erwarten.

Ich agiere immer weniger aus Vermutungen heraus. Wenn etwas zwischen einem Mitmenschen und mir für mich unklar ist, dann spreche ich ihn darauf an.

Wenn mich das Verhalten meines Gegenübers verletzt oder unbehaglich fühlen lässt, dann spreche ich ihn auch darauf an und schlucke es nicht mehr runter, bzw. ziehe mich zurück.

Ich spiele immer seltener die Rolle der Unnahbaren, in die ich automatisch schlüpfe, wenn ich meine Gefühle nicht zeigen will, sondern stehe dazu und zeige meine Verletzlichkeit, auch meinen Töchtern gegenüber.

Klappt das immer? Nö. Ein Automatismus, der über 45 Jahre hinweg regelmäßig bedient, gewartet und gefüttert wurde, lässt sich nicht sooo schnell auflösen. Und gekonnt ist gekonnt. Das Mich-Selbst-Belügen habe ich in der Zeit zu einer Kunstform verfeinert. Ich komme immer wieder neuen Täuschungsmanövern auf die Schliche, die ich anwende, weil das Mich-Selber-Belügen doch erst mal viel weniger schmerzhaft zu sein scheint.

Wenn ich für mich selber einstehe, meine Wahrheit lebe, muss ich meine Wahrheit kennen. Dazu gehört es, rauszufinden, was mich ausmacht. Wer ich bin. Was ich will. Was meine Werte sind. Tue ich etwas, weil es mir Freude macht, oder weil ich es schon immer gemacht habe, weil es von mir erwartet wurde, weil ich ein Rollenklischee bedienen wollte?

Wie wichtig bin ich mir? Bin ich mir wichtig genug, um meine Wahrheit zu leben? Zu sagen, was ich denke? Mir selber einzugestehen, wenn ich auf dem Holzweg bin?

Und wie wichtig ist mir die Akzeptanz von anderen, wenn ich sage, was ich denke und nicht das, was gehört werden will?

Auch dann, wenn ich sage, was gehört werden will und nicht das, was ich denke, belüge ich mich und mein Gegenüber. Dazu liebe und respektiere ich mittlerweile mich und meine Mitmenschen zu sehr.

Ist das immer angenehm? Mit Sicherheit nicht. Weder für mich noch für mein Gegenüber.

Und was hat die Weiblichkeit mit all dem zu tun?

Seit ich mir selber gegenüber immer öfter wahrhaftig bin, werde ich auch immer weiblicher. Ich habe festgestellt, dass wahrhaftige und offene Kommunikation mich mehr und mehr in meine Kraft kommen lässt, mich stärker macht. Ich laufe gerader, werde weicher. Werde offener, verletzlicher, klarer. Nahbarer. Mit jeder Lüge, die ich abbaue, mit jeder Wahrheit, die ich ausspreche, lasse ich die Menschen immer näher an mich heran und zeige trotzdem, wer ich bin. Nähe spüren und Grenzen ziehen geschieht ganz natürlich, wie in einem anmutigen Tanz. Okay, nicht immer. Dieser Tanz ist noch neu, die Schritte müssen noch gelernt werden und so tritt manchmal noch die Grenze der Nähe auf die Füße oder trägt zu enge Schuhe. Dann wechsle ich entweder die Schuhe oder übe mich noch ein bisschen darin, für mich gerade zu stehen.

Gelebte Weiblichkeit für mich ist die Kunst dieses Tanzes. Inklusive Schuhwechsel und Übungsstunden.

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Vom Berührenlassen und Berührtsein

Eines der Worte des Tages, das vor ein paar Tagen veröffentlicht werden wollte, war „Berührt“. Das Wort hat für mich persönlich ganz viel Bedeutung. In diesem einen Wort steckt so viel von meinem Leben. Und als ich gerade die Überschrift für diesen Artikel schrieb, wurde mir auch gleichzeitig die schattige Seite dieses Wortes sehr bewusst. Und dass ich an einem Punkt bin, an dem die Spirale des Lebens – diesmal in einem großen Bogen – mal wieder an mir vorbeikommt.

Es fing vor ca. 46 Jahren an mit der Berührung meines Großvaters. Er berührte mich so, wie man es als Großvater nicht tun sollte, und ich ließ es zu. Ich war erst drei Jahre alt. Diese Berührungen dauerten an, bis meine Mutter mit meinem Bruder und mir drei Jahre später aus Duisburg wegzog. Ich hatte mich immer gewundert, warum ich mich an meine Kindheit nie erinnern konnte. Es gab nur ganz wenige, vereinzelte Szenen vor meinem inneren Auge. Bis zu dem Tag, an dem an dem ich erfuhr, dass mein Großvater gestorben sei. Ab diesem Zeitpunkt habe ich viel mehr Erinnerungen.

Ich lebte mein Leben, bekam vier Töchter, war zwei Mal verheiratet, und war mit meinem zweiten Exmann mit einer Übersetzungsagentur recht erfolgreich.

Aber tiefe Gefühle kannte ich nicht.

Klar liebte ich meine Töchter, und liebe sie immer noch, aber ich konnte diese Liebe nicht zeigen, nicht fühlen. Eine meiner Töchter sagte mir mal. „Mama, ich habe Dich nur einmal weinen sehen, und das war nachts, nachdem Oma starb.“ Ich ließ mich von so gut wie nichts berühren. Meine Mauer war oben, und mindestens zehnfach verstärkt. Da kam nichts rein – aber da ging auch nichts raus. Ich habe funktioniert, habe über 15 Jahre lang von morgens bis nachts gearbeitet.

Ich hatte mir auch Ehemänner ausgesucht, die Liebe nur auf ihre eigene, teilweise sehr beschränkte, Art zeigen konnten. Das war für mich sehr sicher und vertraut.

Aber dann begann eine kleine Pflanze in mir zu wachsen. Ich denke, der Samen war eine Fernsehsendung, in der Oprah Winfrey und Cheryl Richardson über „Self-care“ sprachen, über Glaubenssätze, das Unterbewusstsein, etc.

Das war 2011 oder 2012. Immer mehr Menschen traten anschließend in die Peripherie meines Lebens, die nach und nach mein Denken veränderten: Danielle LaPorte, Marie Forleo, Mastin Kipp, Louise Hay, Tony Robbins etc.

Mehr und mehr wurde mir bewusst, dass ich nicht mehr 18 Stunden am Tag arbeiten wollte, dass ich leben wollte, auch wenn ich noch nicht wusste, was „Leben“ für mich genau bedeutete. Im Oktober 2013 trennte ich mich von meinem Mann, obwohl wir räumlich bereits seit über einem Jahr getrennt waren. Ich wollte aber langsam mehr vom Leben. Nach und nach erlangte ich Klarheit und wusste, dass ich so nicht mehr leben wollte. Dass diese Beziehung weder für mich noch für ihn gut war.

2014 begann sich mein Leben schon etwas schneller zu ändern. Ich fing an, für mein Leben aktiv zu werden, es zu ändern. Ich stieg aus meiner Eigenbrötlerei aus und ging regelmäßig ein Mal pro Monat zu einem Regionaltreffen des „Living Master Clubs“ (heute heißt diese „Life-Coaching Community“ Human Trust). Dort lernte ich mit Hilfe ganz fantastischer Menschen nach und nach immer mehr aus mir rauszugehen, mich ganz langsam zu öffnen. Erst, als das Leben merkte, dass ich nun bereit sei, wurden die Schleusen geöffnet, und das Tempo änderte sich von einem zarten Schleichen zu einem tosenden Galopp.

Im Juni 2014 erkannte ich, dass ich mich nach Liebe sehnte und mit der Hilfe einer Pferdeherde erhielt ich auf die Frage, wie ich Liebe in mein Leben lasse die Antwort: „Lass es geschehen“.

Daraufhin wurde ich langsam an den Punkt geführt, dass ich zum einen überhaupt erkannte, dass da eine Mauer war. Und dann, diese Mauer in mir abzureißen.

Im Februar 2015 erhielt ich am Ende eines der Regionaltreffen von den Leiterinnen dieses Treffens eine Rose mit diesem Spruch dran:

Heilender Schmerz

Diese Worte sprachen ganz tief in mir etwas an. Sie und das Bild, das ich ca. eine Woche vorher in einer Meditation erhielt, in der ich mich sah, wie ich voller Wut in einem Reagenzglas gefangen war und gegen die Wände schlug, die nachgaben, verdeutlichten mir, dass ich diesen Schmerz noch nicht bewusst gespürt hatte. Ich kannte keine Wut. Ich kannte keine Gefühle, die so tief waren. Auf dem Weg nach Hause dachte ich darüber nach und wusste auf einmal, dass ich diesen Schmerz spüren wollte. Dass ich genug vom seichten Gewässer hatte und endlich in die Tiefen des Ozeans eintauchen wollte. Zu Hause angekommen schrieb ich eine Mail an eine Bekannte, schilderte meinen aktuellen Zustand und bat um Hilfe. Ich klickte auf „Senden“ und in dem Moment, als die Mail meinen Postausgang verließ, spürte ich eine Leichtigkeit und eine Freude in mir, die mir fremd war. (Die hält auch noch an. J Bis zum heutigen Tag spüre ich diese Leichtigkeit und diese Freude.)

Zwei Tage nach diesem Abend wurde in mir im wahrsten Sinne des Wortes ein Schalter umgelegt und ich verspürte zum ersten Mal in meinem Leben Liebe in einer Tiefe, die mir total unbekannt war.

Es war die Kombination aus Erkennen, die Entscheidung dafür, etwas zu ändern und die Handlung dafür, die Magie in mein Leben brachte. Dadurch wurden nach und nach, Stein für Stein die Mauern abgetragen, die ich um mein Herz errichtet hatte.

Es gab seitdem noch viele andere Menschen, Schritte, Begebenheiten, Gespräche und „Zufälle“, die in den letzten zwei, drei Jahren eine wichtige Rolle in meinem Leben spielten, die mich berührten. Denn seitdem lasse ich es zu, dass ich von anderen auf allen Ebenen berührt werde. Ich habe gelernt, mich der Liebe wieder zu öffnen. Auch, wenn ich weiß, dass ich wieder verletzt werden kann, dass der Verlust von Liebe schmerzen wird. So habe ich mich doch bewusst für die Liebe entschieden. Denn für mich ist jeder Augenblick, in dem ich liebe und geliebt werde, wichtiger, als Augenblicke des Schmerzes. Denn solange ich mir Liebe gönne, solange kann diese Liebe jeden Schmerz heilen.

Ich wünsche Dir, dass auch Du Dir jederzeit Liebe gönnst – die Liebe zu Dir selbst, die Liebe von Freunden, die Liebe der Natur und nicht zu vergessen: die Liebe Gottes.